Historische Gruppe

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Musketiere

Die Musketiere stellten in jener Zeit als Knechte zu Fuß die Hauptkontingente jeder Armee. Im Gegensatz zum Pikenier verfügte der Musketier nur über eine Sturmhaube oder einen Filzhut.

Die Länge der Muskete betrug in der Regel etwa 1,50 m, die Schussweite etwa 225 m. Geschossen wird mit bis zu 5 gr. Schwarzpulver in relativ kurzen Schussfolgen. Ein Säbel sowie das Bandelier mit Pulverflaschen, den so genannten 12 Aposteln, und ein Pulverhorn vervollständigen die Ausrüstung.

Zum Exerzieren waren 143 unterschiedliche Kommandoworte notwendig. Das Landauer Exerzitium umfasst immerhin bis zu 30 Kommandoworte. Zur Gruppe der Musketiere gehören 50 Mann. Zur weiteren Ausstattung der Fußknechte gehören Trommler, die innerhalb der Marschordnung den Takt vorgeben; zur Erkennung dienen Fahnen, Standarten und Feldzeichen.

Kanoniere

Mit der Verbesserung der Technik und der Feuerkraft der Artillerie gewannen die Kanonen erst im Laufe des ausgehenden 16. Jahrhunderts an Bedeutung, allerdings als schwerbewegliche Belagerungsartillerie. Mit Beginn des Dreißigjährigen Krieges änderte sich, insbesondere mit dem Eintritt Schwedens in den Krieg 1630, die Form der Beweglichkeit. Die schwere Artillerie wurde durch leichte bewegliche Kanonen, so genannter Feldstücke, ersetzt, die mit kürzeren Schussfolgen einfach schneller war. So erlangte sie eine taktische Bedeutung. Die Kanoniere waren lediglich mit Degen bewaffnet, zu ihrer Einheit gehörten Feuerknechte, Pulverwagen und Zugpferde.

Um das Landauer Schützenfest noch attraktiver zu gestalten, wurde bereits 1967 beschlossen, eine Kanone zu bauen. Doch aufgrund knapper finanzieller Mittel wurde erst 1978 mit Hilfe von Spenden mit der Umsetzung begonnen.

1979 gelang es dem Verein ein Kanonenrohr bei der Firma Henschel in Kassel herzustellen. Die Lafette wurde aus einem Eichenstamm geschnitten und bearbeitet. Die Vorderräder entstammen einem Marketenderwagen aus dem ersten Weltkrieg. Die dazugehörende Pulverkiste wurde von Schreinerhand hergerichtet, so dass eine hervorragende Kanone mit Zubehör entstehen konnte.

Nach der üblichen Prozedur des amtlichen Einschießens in Ulm trafen sich am 25. Oktober 1980 Spender und Bauer der Kanone zum ersten „scharfen Schießen“ an der Waldarbeiterhütte im Dachsberg, wo die „Landauer Kanone“ eingeschossen wurde. Beim Schützenfest 1981 konnte somit die Kanone offiziell an die Schützengilde übergeben und in der Obhut der „Knappenburger Kanoniere“ in ihren neuen Kostümen der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Die Kanonengruppe ist aus dem Bild der Schützenfeste nicht mehr wegzudenken. Die Kanone eröffnet das Schützenfest mit ihrem einzigartigen Donnerhall. Die Kanoniere schießen am 1. Neujahrstag eines jeweiligen Schützenfestjahres das Schützenfestjahr ein, wecken das Königspaar zum Schützenfest und sind bei allen besonderen Anlässen zur Stelle.

Zur historischen Gruppe der Schützengilde Landau gehören 2 Kanonen als Sechspfünder-Nachbildung und ca. 12 Kanoniere mit Zeugmeister; die Kanonen schießen mit bis zu 300 gr. Schwarzpulver, gezündet werden sie originalgetreu mit Lunte durch einen Feuerknecht.

Pikeniere

Die Gruppe der Pikeniere wurden erstmals in 2001 zum damaligen Schützenfest neu in die historische Abteilung der Schützengilde 1517 Landau e.V. aufgenommen. Bei der Ausstattung dieser Gruppe wurde auch wieder besonders viel Wert auf die historische Detailtreue, in Anlehnung an die Zeit des Dreißigjährigen Krieges, bei der Herstellung der Uniformen, Panzer, Sturmhauben und Piken gelegt. Zur Zeit besteht die Gruppe aus 20 Pikenieren.

Die Aufgabe der Pikeniere bestand darin, Reiterangriffe durch den Einsatz einer 15-18 Fuß ( 4,50 – 5,40 m ) langen Pike abzuwehren. Die Länge der Piken der Landauer Pikeniere beträgt exakt 4,50 m und besteht aus einem Holzschaft mit aufgesetztem spitz zulaufenden Spiesseisen. Zu ihrem Schutz tragen sie ein schussfreies Bruststück, eine Halsberge und eine eiserne Sturmhaube. Ein Degen dient ihnen zur Verteidigung im Nahkampf.

Die Musketiere schützen die Pikeniere, können sich aber auch im Nahkampf oder zum Laden ihrer Musketen, zwischen die Spieße der Pikeniere flüchten. Pikeniere mit den zuerst so genannten Langspiessen stellten neben den Hellebardieren das Hauptkontingent und die Hauptwaffe der Landsknechtskriege des 16. Jahrhunderts in ganz Europa. In Ihren Gevierthaufen bildeten sie einen Igel und waren bis zum Aufkommen der Feuerwaffen nahezu unbezwingbar.

Historische Tanzgruppe

Die Historische Tanzgruppe der Schützengilde Landau wurde anlässlich des Schützenfestes 2005 gegründet, als man beschloss, den traditionellen „Landsknechtsball“ stilecht mit einem historischen Tanz zu eröffnen. Seitdem ist die Gruppe zu einer festen Einrichtung geworden, deren Mitglieder sich regelmäßig treffen, um Tänze aus ihrem Repertoire zu üben sowie neue Tänze einzustudieren.

Momentan besteht die Tanzgruppe aus 15 Mitgliedern verschiedener Altersgruppen. Die Tänze im Repertoire von Gaudium Saltandi sind nach historischen Vorlagen selbst erarbeitet oder wurden in Lehrgängen erlernt. Sie stammen aus der Zeit des Spätmittelalters, der Renaissance und des Frühbarock. Es finden sich darunter deutsche Tänze wie die Allemande, Tänze aus Frankreich wie zum Beispiel Courante oder Ronde Plaisir, Tänze aus Italien wie Manfredina und Rotta und Tänze aus Spanien und England. Sie variieren in der Ausführung von einfach zu erlernenden Kreistänzen mit sich wiederholenden Schrittkombinationen bis zu komplizierten Formationen mit vielen verschiedenen Tanzfiguren.

Die Tänzer/innen treten in individuellen, historisch nachempfundenen Kostümen des 16./17. Jahrhunderts auf, die größtenteils an die Zeit des Dreißigjährigen Krieges angelehnt sind. Ihr Können hat die Tanzgruppe schon bei zahlreichen Auftritten unter Beweis gestellt.

Marketenderinnen

Sie waren Frauen, die von Anbeginn der Landsknechtskriege seit dem ausgehenden Mittelalter von den Schlachtfeldern und den Heereszügen nicht mehr weg zudenken waren. Marketenderinnen waren zumeist Ehefrauen von Landsknechten oder Söldnern. Sie waren zumeist Angehörige der gesellschaftlichen Unterschichten und verdienten sich ihren Lebensunterhalt mit Handel, der Versorgung Verwundeter und nicht selten auch mit käuflicher Liebe. Ihr Leben war von Hunger, Krankheit und bitterster Armut geprägt.

Sie gebaren ihre Kinder auf den Heereszügen, die wiederum als Tross- und Trommlerbuben oder Pferdeknechte ins unmittelbare Kriegsgeschehen gerieten. Das Trossvolk erreichte Ausmaße, welche die Söldnerheere oft zahlenmäßig weit übertrafen. Die Marketenderin ist als Mutter Courage in einer Novelle von Berthold Brecht verewigt worden.

In der Schützengilde sind ca. 80 Frauen und Kinder in original getreuen Kostümen zu sehen